10.11.2016

„Am Puls des Universums“: Elementarteilchen, Atomkerne und Einsteins Gravitationswellen

Gravitationswellen
1 von 5 Bildern
Staatsministerin Lucia Puttrich begrüßt die Gäste in der Hessischen Landesvertretung
© Thomas Rosenthal

Einsteins Enkel vermessen das Weltall neu
Für den Auftakt zur neuen Veranstaltungsreihe "Wissensregion Rhein-Main" in der Hessischen Landesvertretung Berlin wurde ein epochenprägendes Thema ausgewählt. Die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Kathrin Göbel nahm mit einem Multimedia-Vortrag die Zuhörer mit auf eine Reise, die vom Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren bis zum Nachweis einer Gravitationswelle im September 2015 durch amerikanische Astronomen. Moderator dieser Reihe ist Jochen Hieber,  langjähriger Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Gastgeberin dieses spannenden Abends war Staatsministerin Lucia Puttrich.

Weltweit einmalige Beschleunigeranlage entsteht in Darmstadt
Ministerin Puttrich erinnerte in ihrem Grußwort an  bewegende und inspirierende Veranstaltungen mit den Astronauten Alexander Gerst in der Hessischen Landesvertretung Berlin und Thomas Reiter in Darmstadt. Sie zeigten, wie gut Hessen im Bereich der Weltraumfahrt aufgestellt sei. Zudem wies sie auf die seit 2008 laufende „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ – kurz: LOEWE – hin. Mit der Initiative seien bislang schon über 600 Millionen Euro Landesmittel zur Förderung von exzellenter Forschung am Standort Hessen geflossen. So entstehe derzeit mit LOEWE-Unterstützung am Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt die weltweit einmalige Beschleunigeranlage FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research). Viele Fragen über den Ursprung des Universums und dessen Entwicklungsgeschichte seien unbeantwortet, so Puttrich. Deshalb würden voraussichtlich 3.000 Forscherinnen und Forscher aus 50 Ländern an FAIR arbeiten und forschen.

Neues Helmholtz-Zentrum fördert Nachwuchswissenschaftler
Die 31jährige Forscherin Dr. Kathrin Göbel studierte Maschinenbau, bevor sie ihre Begeisterung für experimentelle Astrophysik entdeckte. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Frankfurter Goethe-Universität arbeitet im Team des Helmholtz International Centers „HIC for FAIR“, das zur Unterstützung der Beschleunigeranlage FAIR gegründet wurde.

Als Experimentalphysikerin sei es unmöglich, ein Experiment allein durchzuführen. Vielmehr werde in Teams an der Entwicklung von Experimenten, an der Durchführung oder an der Auswertung gearbeitet, erklärte Göbel. Zum Nachweis der Gravitationswellen vom 14. September 2015 sagte die Wissenschaftlerin, dass plötzlich ein unerwartetes Signal in den Daten aufgetaucht sei. Heute wisse die Forschung, dass es sich um die Verschmelzung von zwei Schwarzen Löchern gehandelt habe. Forscher seien zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Loch 36-mal und das andere 29-mal so schwer wie die Sonne war. Herausgekommen sei ein schwarzes Loch mit 62 Sonnenmassen. Die Verschmelzung ereignete sich 1,3 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt.

Ihre akademische Reputation trug Göbel im Sommer im Übrigen eine hohe Ehre ein: Sie gehörte zu den auserwählten Jungwissenschaftlern aus aller Welt, die am diesjährigen Nobelpreisträger-Treffen in Lindau am Bodensee teilnehmen durften. Zugleich gilt ihre Leidenschaft der Wissensvermittlung: „Ich möchte die Menschen über Forschung und ihre Ergebnisse informieren, sie neugierig machen und begeistern.“ Dieses Ziel hat Göbel in der Hessischen Landesvertretung Berlin erreicht. Über 100 Gäste verfolgten ihre Ausführungen über Sternexplosionen und Urknalltheorie.