01.12.2016

Mit Europa im Gespräch 5. Runde

Mit Europa im Gespräch
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Gestalteten den Abend: Moderator Rolf-Dieter Krause, Staatsministerin Lucia Puttrich, Elita Kuzma, Botschafterin der Republik Lettland, Tomáš Jan Podivínský, Botschafter der Tschechischen Republik und Dr. Albert Friggieri, Botschafter der Republik Malta (v. l.).
© Boris Trenkel

Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten: Botschaften für Europa.

Als Einheit ist Europa stark! Das vertraten Dr. Albert Friggieri, Botschafter der Republik Malta, Elita Kuzma, Botschafterin der Republik Lettland und Tomáš Jan Podivínský, Botschafter der Tschechischen Republik, beim fünften Europagespräch in der Hessischen Landesvertretung Berlin. Zum gemeinsamen Gedanken- und Ideenaustausch mit Botschaftern und Botschafterinnen der EU-Mitgliedstaaten hatte die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich eingeladen. Rund 140 Gäste waren gekommen, um sich über kulturelle und geopolitische Besonderheiten der drei Länder Malta, Lettland und Tschechien zu informieren. Für eine pointierte Diskussion sorgte der Moderator und Journalist Rolf-Dieter Krause.

Malta, Lettland und Tschechien sind Länder, die der Europäischen Union 2004 mit Begeisterung und großer Hoffnung beigetreten sind. Die geografischen und historischen Gegebenheiten hingegen sind von Unterschieden geprägt: Lettland an der Grenze zu Russland, Malta an der südlichen EU-Außengrenze, Tschechien in der Mitte Europas. Jeder dieser Staaten hat einen anderen Erfahrungshorizont, was die europäische Politik nach innen und nach außen betrifft.

Gemeinsame Werte halten Europa zusammen

Mit dem Anliegen „Wir wollen den Blick ihrer Länder auf Europa kennenlernen“, leitete der ehemalige Brüssel-Korrespondent Rolf-Dieter Krause die Diskussionsrunde ein. Die Bevölkerung Lettlands fühle sich als Teil der Wertegemeinschaft in der Europäischen Union und der NATO, erklärte Botschafterin Elita Kuzma. Die Idee von einem Europa habe sich über die Jahrzehnte bewährt. Sie hoffe, dass das „europäische Projekt“ erfolgreich bleibe. Das werde gelingen, so Kuzma, wenn gemeinsame Werte gestärkt würden. Auch dürfe das Erreichte nicht in Frage gestellt werden. Vielmehr müsse das Ziel sein, weiterhin am gemeinsamen Wohlstand zu arbeiten.

Der Botschafter der Tschechischen Republik Tomáš Jan Podivínský hatte in Teilen eine andere Sicht auf Europa als seine Gesprächspartner. Tschechien sei seit Jahrhunderten in Europa verankert. Als „Vater der europäischen Zusammenarbeit“ benannte Podivínský Kaiser Karl IV., der in Prag geboren wurde. Er verwies auf  die Landesausstellung des Freistaates Bayern und der Tschechischen Republik anlässlich des 700. Geburtstags Karls IV. in Nürnberg. Das Vertrauen, das in den letzten 25 Jahren zwischen Deutschland und Tschechien aufgebaut wurde, sei beispielhaft für ganz Europa. Erfolgreich könne die Europäische Union dann sein, wenn die praktische und vertrauensvolle Zusammenarbeit gestärkt werde. Im Übrigen sei Tschechien bereit gewesen, Flüchtlinge aufzunehmen. Aber von den 180 syrischen Christen, die sein Land aufgenommen hatte, seien bis auf wenige Ausnahmen alle nach Deutschland weitergezogen.

Dr. Albert Friggieri, Botschafter der Republik Malta, betrachtet die Europäische Union als größte Errungenschaft. Malta sei 164 Jahre lang britische Kolonie gewesen. Erst vor 44 Jahren wurde Malta unabhängig und habe sich bereits damals die Frage gestellt, wohin man sich politisch orientieren solle. So sei 1990 der Antrag auf die EU-Mitgliedschaft gestellt worden. Es habe – mit Unterbrechung der Verhandlung – 14 Jahre gedauert, bis Malta Mitglied wurde. Die Menschen wollten aktiv den europäischen Gedanken gestalten wollten, erklärte Friggieri. Sie sähen Europa aus dem Blickwinkel des eigenen Landes. Für die Malteser seien deshalb die Reisefreiheit und die Mobilität nach und aus Malta sehr wichtig. Malta habe nach den Niederlanden die höchste Bevölkerungsdichte in der EU. Jede zweite neue Arbeitsstelle müsse von einer ausländischen Person besetzt werden, weil keine eigenen Kräfte vorhanden seien. Darüber hinaus gäbe es auf Malta keine Parteien, die für einen Austritt aus der Europäischen Union stünden. Somit erkläre sich auch, dass heute 84 Prozent der Malteser mit der Zugehörigkeit zur EU sehr zufrieden seien.

Hintergrundinformationen:

Unter dem Motto „Mit Europa im Gespräch“ lädt die Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich, die Botschafter und Botschafterinnen der EU-Mitgliedstaaten zum gemeinsamen Gedanken- und Ideenaustausch über die aktuellen Herausforderungen, Chancen und Risiken für die Europäische Union ein.

Bereits dreizehn Botschafter diskutierten über die europapolitische, sich aus der nationalen Geschichte und Kultur speisende Agenda ihrer Länder. Somit hat sich ein Forum etabliert, das der realistischen Bestandsaufnahme dient und zu einer differenzierten Weiterentwicklung der europäischen Einigung beiträgt.

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