09.12.2019

Vorstellung der Studie „Finanzplatz Frankfurt: Mehr als Brexit“

Wie sieht die Zukunft des Finanzplatzes Frankfurt angesichts des Brexit aus? Zu diesem Thema stellte Ulrike Bischoff, Bereich Finanzplatz-Research bei der Helaba, auf Einladung von Europaministerin Lucia Puttrich, der Landesbank Hessen-Thüringen und des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes am 9. Dezember 2019 in der Hessischen Landesvertretung in Brüssel die Studie „Finanzplatz Frankfurt: Mehr als Brexit“ vor.

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Vorstellung der Studie „Finanzplatz Frankfurt: Mehr als Brexit“
© Hessische Landesvertretung/Eric Berghen

Zur Veranstaltung begrüßte Georg Huber, Leiter der EU-Repräsentanz des deutschen Giro- und Sparkassenverbandes, und betonte, man müsse die Chance, die der Brexit für Frankfurt darstelle, nutzen. 

Im Anschluss stellte Ulrike Bischoff die Studie der Helaba vor. Auf der sogenannten „Brexit-Map“ zeigte sie, dass bereits 31 Auslandbanken Arbeitsplätze von London nach Frankfurt verlagert haben. Sie betonte weiterhin die anhaltende Dynamik am Standort Frankfurt, da sich auch in jüngster Zeit die mit Abstand meisten Brexit-Banken für Frankfurt als neuen oder erweiterten Standort in Europa entschieden hätten. Beispielsweise hätten viele japanische Banken ihren Standort nach Frankfurt verlagert. Dabei hätten die Banken mittelfristige strategische Entscheidungen im Zuge ihrer angepassten Europastrategie getroffen, die sie auch im Falle einer weiteren Verschiebung des Brexits oder gar Rücknahme des Austrittsgesuchs nicht komplett revidieren würden.

In Gesprächen mit den Banken wurde deutlich – so Bischoff weiter –, dass der Aufbau und die Weiterentwicklung der Niederlassung in Frankfurt für die Brexit-Banker oft als Karrierechance wahrgenommen werde und die Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) besonders positiv bei den Beteiligten empfunden werde. Als Vorzüge des Standorts Frankfurt wurde die bestehende Bankeninfrastruktur, Frankfurt als zentraler Verkehrsknotenpunkt, die vor Ort ansässigen Aufsichtsbehörden, wie die Europäische Zentralbank, sowie die Zeitersparnis durch die kurzen Wege am Standort genannt.

Obwohl die Anzahl der im Bankensektor Beschäftigen in Deutschland insgesamt sinke, sei ein moderater Anstieg in Frankfurt zu verzeichnen. Dabei profitiere Frankfurt von der stärkeren Konzentrierung in den Zentralen der Banken. Die Region sei mit 118.000 Bankbeschäftigten im Vergleich zu London zumindest nicht so klein, wie gemeinhin angenommen. Für die Stadt Frankfurt rechne man bis Ende 2021 mit 64.500 Bankbeschäftigten. Erwartet werde, dass dabei der Brexit mit bis zu 3.500 zusätzlichen Stellen in Frankfurt zu Buche schlage.

In der anschließenden Fragerunde stellte Ulrike Bischoff fest, dass viele Brexit-Banker die grundsätzliche Ablehnung gegenüber einem neuen Standort insgesamt - und spezifisch für Frankfurt - mittlerweile überwunden hätten. London selbst habe durch den Brexit einen Imageverlust erlitten. Eine weitere Chance für Frankfurt sehe sie darin, sich noch stärker als europäisches Aufsichtszentrum zu positionieren und zu vermarkten.

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