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Demografie-Preis 2012

Staatsminister Wintermeyer verleiht Auszeichnungen für herausragende Projekte in Alheim, Wanfried, Felsberg & Datterode

Der Chef der Hessischen Staatskanzlei und Demografiebeauftragte der Landesregierung, Staatsminister Axel Wintermeyer, hat am 31. Oktober 2012 zum dritten Mal den Hessischen Demografie-Preis verliehen. Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Preis stand in diesem Jahr unter dem Motto „Bürger machen Dörfer stark“ und ging an vier herausragende Projekte zur Gestaltung des demografischen Wandels.

Demografiepreis 2012

Staatsminister Axel Wintermeyer (rechts auf dem Bild) übergibt den 1. Preis an die Preisträger.
Der 1. Preis ging an das Projekt „Marktwert...Leben im Ringgau – Integriertes dörfliches Versorgungszentrum Datterode“ und wurde durch Staatsminister Axel Wintermeyer (ganz rechts) übergeben.
© Staatskanzlei

Ausgezeichnet wurden die Projekte „Marktwert… Leben im Ringgau“ in Datterode mit 12.000 Euro, „Familienhaus Neuenbrunslar“ in Felsberg mit 7.000 Euro, „Erhalt historischer Bausubstanz“ in Wanfried mit 3.000 Euro und „Ein Platz für alle“ in Alheim mit ebenfalls 3.000 Euro.

Im Rahmen einer Feierstunde in der Hessischen Staatskanzlei bezeichnete Wintermeyer die Gestaltung des demografischen Wandels als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, „die wir nur meistern können, wenn wir alle gemeinsam anpacken. Initiativen innerhalb der Bürgerschaft können bestimmte Probleme häufig besser und schneller lösen als der Staat. Deshalb haben wir bei der Auslobung des Demografie-Preises 2012 nach Projekten gesucht, die als hervorragende Beispiele für andere dienen können und die gezielt eine Verbesserung der Lebensqualität und des Zusammenlebens in hessischen Dörfern bewirken“, sagte Wintermeyer. Darüber hinaus solle die Verleihung des Demografie-Preises natürlich dazu führen, dass herausragende Projekte bekannt gemacht werden und zur Nachahmung anregen.

Entscheidung zwischen 101 Bewerbungen

Insgesamt haben sich 101 hessische Initiativen mit eigenen Projekten beworben. Die Auswahl der Preisträger erfolgte durch eine Experten-Jury in einem zweistufigen Verfahren. Anhand festgelegter Bewertungskriterien wurden neun Projekte in die engere Wahl genommen. Hauptbewertungskriterien für die Jury waren der Innovationsgehalt der eingereichten Projekte, ihre Nachhaltigkeit und die Frage der Übertragbarkeit. Dazu kam das Vorhandensein von Kooperationspartnern.

Die Verantwortlichen für die neun in die engere Wahl gekommenen Projekte waren eingeladen, ihre Konzepte noch einmal persönlich vor der Jury in der Hessischen Staatskanzlei zu präsentieren. Im Rahmen dieser zweiten Jury-Sitzung konnten sich die Jury-Mitglieder sehr eingehend noch einmal mit den Projekten auseinandersetzen und offene Fragen klären. Direkt im Anschluss an die Präsentationen hat die Jury abschließend beraten und sich für vier Preisträger (1. Preis, 2. Preis und zweimal 3. Preis) entschieden.

Die Preisträger im Einzelnen:

1. Preis (dotiert mit 12.000 Euro): „Marktwert...Leben im Ringgau – Integriertes dörfliches Versorgungszentrum Datterode“

An diesem Projekt aus Datterode überzeugte die Jury insbesondere die Vielfalt der positiven Wirkungen, die den „Marktwert“ zu einem echten neuen Dorfzentrum machen. Kernstück ist der Laden, der die Grundversorgung im Ort sichert – auch für Menschen, die nicht mit dem Auto zum Einkaufen fahren können. Mit seinem Café und den Veranstaltungsräumen hat sich das „Marktwert“ seit der Eröffnung im Herbst 2010 zu einem Kommunikationspunkt für Jung und Alt entwickelt. Ein ehrenamtlich betriebener Bürgerbus fährt das „Marktwert“ regelmäßig an, so dass auch die Einwohner aus den umliegenden Ortsteilen vom vielfältigen Angebot profitieren können. Für die Zukunft sind neben dem bereits bestehenden Angebot auch Sprechstunden von Ärzten und Therapeuten geplant.

Entscheidend für den Erfolg von „Marktwert“ ist, dass sich die Datteröder Einwohner mit ihrem neuen Dorfzentrum identifizieren. Sie wirkten daher schon bei den Planungen mit und sind heute in großer Zahl, zum Beispiel im Verein „Dorf für alle“, aktiv. Träger von Laden und Café ist die „Stellenwert GmbH“, eine Tochter des Vereins „Aufwind – Verein für seelische Gesundheit“, der auch die Bewerbung zum Hessischen Demografie-Preis eingereicht hat. Dadurch ist „Marktwert“ nicht nur ein „integriertes dörfliches Versorgungszentrum“, sondern auch ein Arbeitgeber, der Menschen mit Behinderungen beschäftigt und es ihnen so ermöglicht, mitten im gesellschaftlichen Leben zu stehen.

2. Preis (dotiert mit 7.000 Euro): „Familienhaus Neuenbrunslar e. V.“ in Felsberg

Das Familienhaus Neuenbrunslar verknüpft unterschiedliche Lernorte: die Kindergärten, die Grundschule und die Vereine. Kinder können so entsprechend ihrer Persönlichkeit und ihrer individuellen Voraussetzungen begleitet und unterstützt werden, wie es der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan fordert.

Der Verein Familienhaus Neuenbrunslar organisiert diese Verknüpfung. Er hat sich zum Ziel gesetzt, eine ganztägige Betreuung für Kinder bis zu zwölf Jahren sicherzustellen. Dazu arbeiten unter anderem Eltern, Kindertagesstätten, die Grundschule sowie verschiedene Vereine, darunter die Feuerwehr, eng zusammen. Zur Tagesbetreuung kommt eine Ferienbetreuung sowie ein Angebot für den Notfall, das auch Eltern, deren Kindern üblicherweise nicht am Betreuungsangebot teilnehmen, nutzen können. Mit 32 Euro (ohne Mittagessen) pro Monat ist das Angebot auch für Alleinerziehende erschwinglich.

Familie und Beruf sind in Neuenbrunslar gut vereinbar. Für junge Familien ist der Ort damit ein attraktiver Wohnort. Der Erfolg ist bereits sichtbar: Viele junge Familien sind zugezogen. Die Zahl der Grundschüler stieg in den letzten vier Jahren von 46 auf 90 Kinder. Leer stehende Häuser gibt es in Neuenbrunslar nicht, neue Bauplätze werden schnell verkauft. Die Freiwillige Feuerwehr, die in vielen Orten Nachwuchssorgen aufweist, hat in Neuenbrunslar regen Zulauf.

3. Preis (3.000 Euro): „Erhalt historischer Bausubstanz durch eine ehrenamtliche Bürgergruppe“ in Wanfried

Eine besondere Stärke der Orte im ländlichen Raum ist ihr eigenes, historisch gewachsenes Erscheinungsbild. In den Ortskernen ländlicher Gemeinden sind jedoch immer mehr Häuser vom Leerstand bedroht, schon heute stehen zahlreiche Häuser leer. Dieses Problem haben die Wanfrieder Bürger erkannt und sich im Jahr 2006 zu einer Gruppe zusammengeschlossen, die dieser Entwicklung etwas entgegen setzen will. Architekten, Rechtsanwälte, Finanzierungsfachleute, Handwerker und Journalisten stellen ihre Fachkompetenz zur Verfügung. Sie betreuen Kaufinteressenten, zeigen Möglichkeiten einer neuen Nutzung auf, beraten bei Bau und Umbau und unterstützen bei Behördengängen. Kommune und Bürgergruppe arbeiten dabei Hand in Hand.

Der Erfolg ist messbar. 25 Häuser gingen durch die Aktivitäten der Bürgergruppe in neue Hände über, 25 weitere Objekte konnten aufgrund der umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit wieder vermittelt werden. Auch die Wanfrieder Handwerker und das Gastgewerbe profitieren vom neuen Interesse an Wanfried – von Handwerkeraufträgen im Wert von 1 Mio. Euro ist die Rede – und die Alt-Wanfrieder selbst identifizieren sich wieder stärker mit ihrer Stadt.

3. Preis (dotiert mit 3.000 Euro): „Ein Platz für alle – Mehrgenerationenplatz für ein 400-Einwohner-Dorf“ in Alheim

Die Jury war bei diesem Projekt beeindruckt davon, dass hier von den Dorfbewohnern ein Ort geschaffen wurde, an dem sich alle Generationen, Alt und Jung und auch die mittlere Generation, treffen können. Alle – auch die Kinder – wurden gleichberechtigt in die Planung und Umsetzung einbezogen.

Da im Ortsteil Oberellenbach im Jahr 2010 der Spielplatz abgebaut wurde, sollte ein neuer Platz geschaffen werden. Unter der Beteiligung der Dorfgemeinschaft entstand ein Ort, an dem die unterschiedlichsten Interessen befriedigt werden können. Das 4.000 qm große Gelände um das „Jugendheim“ wurde in drei Bereiche unterteilt: einen „Ruhigen Bereich“ mit Überdachung, Boulebahn und Amphitheater für die Älteren, einen Spielplatz für die Kinder sowie einen weiteren Bereich für die Jugendlichen.

In drei Arbeitseinsätzen gestalteten 50 bis 100 Bürger im Alter von 6 bis 76 Jahren den ruhigen Bereich und den Spielplatz. Dabei wurden regionale Baustoffe – Steine und Holz – verwendet. Die örtliche Töpferei stellt Objekte zur Verfügung. Gemeinde, Privatpersonen und Firmen unterstützen das Projekt. Hervorzuheben ist besonders die enge Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen. Sie konnten hier erleben, dass das Dorf ihre Wünsche nicht nur hört, sondern tatsächlich auch berücksichtigt. Die Identifikation der jungen Leute mit ihrem Heimatort wird dadurch sicher gefestigt.

Die fünf nominierten Projekte, die nicht zu den Preisträgern zählen, wurden mit einer Anerkennungsurkunde und einem Preisgeld in Höhe von jeweils 1.000 Euro ausgezeichnet: Es handelt sich um die folgenden Projekte:

  • „Nachbarschaftshilfe Taunusstein“, Taunusstein
  • „Lebensqualität trotz Schrumpfung: Projekt Nahversorgermarkt“, Schwarzenborn
  • „Betreutes Wohnen in Oberrosphe“, Wetter
  • „Ausbau des Generationentreffpunkts“, Lahntal
  • „MachMitMensch“, Eschwege
Staatsminister Axel Wintermeyer bei der Verleihung des Hessischen Demografie-Preises 2012.
  • Staatsminister Axel Wintermeyer bei der Verleihung des Hessischen Demografie-Preises 2012.
  • Staatsminister Axel Wintermeyer bei der Verleihung des Hessischen Demografie-Preises 2012.
  • Staatsminister Axel Wintermeyer bei der Verleihung des Hessischen Demografie-Preises 2012.
Hessischer Demografie-Preis 2012