Achte Sitzung des hessischen Asylkonvents | Hessische Staatskanzlei
FLÜCHTLINGSPOLITIK

Achte Sitzung des hessischen Asylkonvents

Thema: 
Flüchtlingspolitik
07.02.2018Hessische Staatskanzlei

Stellv. Ministerpräsident Al-Wazir und Kultusminister Prof. Lorz: „Erlernen der deutschen Sprache ist Voraussetzung zum Schulerfolg und zur Integration“

Achte Sitzung des hessischen Asylkonvents
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© Staatskanzlei

Die schulische Sprachförderung hat heute im Mittelpunkt des achten hessischen Asylkonvents gestanden, der auf Einladung der Hessischen Landesregierung mit mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg tagte. In Hessen wurden seit dem Jahr 2015 insgesamt 42.700 Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen in Intensivsprachkursen in Deutsch unterrichtet. „Mit gezielten Maßnahmen zum Spracherwerb werden vom Vorlaufkurskind bis zum jungen Erwachsenen alle Flüchtlinge und Zuwanderer ohne ausreichende Deutschkenntnisse intensiv gefördert und sowohl für den Schulbetrieb als auch später für die berufliche Qualifikation fit gemacht. Die Bemühungen tragen Früchte“, sagten der stellvertretende Ministerpräsident, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, und Kultusminister Prof. R. Alexander Lorz.

Unternehmen aufgerufen, verstärkt Flüchtlinge auszubilden

Die Sprachförderung zeigt Erfolg: Zum einen sind zum Schuljahresbeginn fast 9.000 Schülerinnen und Schüler aus Intensivmaßnahmen in den normalen Regelunterricht gewechselt. Zum anderen wurden zum Ausbildungsbeginn im Herbst 2017 allein mehr als 1.600 Ausbildungs- und Einstiegs-Qualifizierungsverträge von Handwerksbetrieben und Industrieunternehmen mit Geflüchteten abgeschlossen.

Vom Asylkonvent ging ein gemeinsamer Aufruf an die hessischen Unternehmen aus, verstärkt motivierte Flüchtlinge mit ausreichenden Deutschkenntnissen und entsprechenden Kompetenzen in die duale Ausbildung aufzunehmen. „Bis zu 5.000 Intensivsprachschülerinnen und -schüler an beruflichen Schulen werden voraussichtlich im Mai 2018 am deutschen Sprachdiplom teilnehmen. Mit Blick auf den steigenden Arbeitskräftebedarf eröffnen sich damit sowohl für diese jungen Menschen als auch für die heimische Wirtschaft Chancen“, so die Minister Tarek Al-Wazir und R. Alexander Lorz. „Das Erlernen der deutschen Sprache ist die Voraussetzung zum Erfolg in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt und damit auch essentiell für die Integration in unsere Gesellschaft. Aber auch Förderung, Berufsorientierung und Qualifizierung sind wesentliche Felder, auf denen in Hessen erfolgreich gearbeitet wird.“

Gleiche Bildungschancen unabhängig von der Herkunft

Zur durchgängigen Sprachförderung von Schülerinnen und Schülern ohne deutsche Muttersprache sind im schulischen Gesamtsprachförderkonzept des Landes Hessen zahlreiche Maßnahmen verankert. Die Bausteine reichen von den freiwilligen Vorlaufkursen für schulpflichtig werdende Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse bis zu den Intensivklassen an beruflichen Schulen (InteA). Darüber hinaus ermöglicht der „Hessische Aktionsplan zur Integration von Flüchtlingen und Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts“, dass auch bereits volljährige Flüchtlinge unter 21 Jahre entsprechend unterrichtet werden können. „Die intensiven Sprachfördermaßnahmen helfen, Deutsch in Wort und Schrift zu vermitteln, damit allen Schülerinnen und Schülern – unabhängig von Herkunft und Vorqualifikation – gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen ermöglicht werden. Damit haben wir aus den Erfahrungen der neunziger Jahre gelernt, in denen ein Großteil der Seiteneinsteiger unabhängig ihrer individuellen Begabungen nur aufgrund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse Haupt- oder damals Sonderschulen besuchte“, sagte Kultusminister Prof. Lorz.

An der Adolf-Reichwein-Schule, eine berufliche Schule des Landkreises Limburg/Weilburg, werden aktuell in sechs InteA-Klassen 110 Seiteneinsteiger für die unterschiedlichsten Ausbildungsberufe fit gemacht. Hessenweit gehen rund 6.100 Schülerinnen und Schüler in InteA-Klassen. Flächendeckend eingeführt ist dort auch das Deutsche Sprachdiplom (DSD I PRO), ein weltweit anerkanntes Zertifikat, das Sprachkenntnisse nach dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (GeR) prüft. Flüchtlinge, die sich für eine Ausbildung interessieren, können damit einen Nachweis ausreichender Sprachkompetenz erbringen. Im ersten Durchgang dieses neuen Prüfungsformats im Schuljahr 2016/17 konnte Hessen mit 759 Absolventinnen und Absolventen aus 37 Schulen die höchsten Teilnehmer- und Absolventenzahlen vorweisen und somit eine bundesweite Vorreiterrolle einnehmen. Der Anteil der Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer, die die höchste Anforderungsstufe dieser Sprachprüfung erreicht haben, liegt in Hessen mit 34 Prozent deutlich über dem bundesweiten Anteil von 28 Prozent.

„Hauptziel von InteA ist die Vermittlung ausreichender Deutschkenntnisse – im Idealfall nachgewiesen durch DSD I PRO – für einen raschen Übergang in die duale Ausbildung oder in Maßnahmen schulischer oder außerschulischer Art. Angesichts des Fachkräftemangels profitiert nicht nur der oder die Einzelne, sondern die ganze Gesellschaft von einem erfolgreichen Wechsel“, sagte Wirtschaftsminister Al-Wazir.

Hintergrund

Der Asylkonvent hat sich am 14. Oktober 2015 konstituiert. Ihm gehören mehr als 60 Spitzenvertreter aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen an. In insgesamt sieben Fachgruppen erarbeiten die Beteiligten Maßnahmen für die zentralen Themenfelder Bildung, Arbeitsmarkt, Sicherheit, Wohnen, Gesundheit, Ehrenamt und Integration. Die Facharbeitsgruppen ziehen bei Bedarf weitere Experten und Engagierte hinzu und erhalten fachliche Unterstützung durch Mitarbeiter des Landes.

Die Leiterinnen und Leiter der einzelnen Fachgruppen

  • Wirtschaft: Bernd Ehinger, Präsident des Hessischen Handwerkstags
  • Gesundheit: Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen
  • Bildung: Dr. Manuel Lösel, Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium
  • Sicherheit: Udo Münch, Landespolizeipräsident
  • Ehrenamt: Stefan Würz, Geschäftsführer LandesEhrenamtsagentur Hessen
  • Integration: Kai Klose, Staatssekretär und Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration
  • Allianz für Wohnen: Bindeglied zwischen Asylkonvent und Allianz für Wohnen ist der Direktor des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft e.V., Dr. Axel Tausendpfund

Folgende Institutionen sind beteiligt:

Kommunale Spitzenverbände, Regierungspräsidien, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, Religionsgemeinschaften, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Flüchtlingsrat, Ärztekammer, Bundeswehr, Bundesagentur für Arbeit, Liga der freien Wohlfahrtspflege, Ausländerbeirat, Flüchtlingsrat, Vertreter unbegleiteter Flüchtlinge, Rettungsorganisationen, Technisches Hilfswerk, Feuerwehrverband, Landespolizeipräsidium, Landesehrenamtsagentur, Sportbund Hessen, Vertriebenenvertreter, Wohnungswirtschaft, u.v.m.

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