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Bundesratspräsident und Ministerpräsident Volker Bouffier

Rede anlässlich des Festaktes zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2015 in Frankfurt

03.10.2015Hessische Staatskanzlei

– Es gilt das gesprochene Wort –

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie alle sehr herzlich hier mitten in Deutschland, in Hessen, in Frankfurt am Main, in der Stadt der Paulskirche, der Wiege der deutschen Demokratie. Der Umstand, dass wir unseren Nationalfeiertag jedes Jahr in einem anderen Bundesland feiern, ist bewusster Ausdruck unserer erfolgreichen föderalen Staatsordnung. Es ist uns deshalb eine große Freude und eine Ehre, das große Bürgerfest zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit hier bei uns feiern zu dürfen.

Mein besonderer Gruß gilt Ihnen, Herr Bundespräsident Gauck, Ihnen, Herr Bundestagspräsident Prof. Dr. Lammert, Ihnen, sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel und Ihnen, Herr Präsident des Bundesverfassungsgerichts, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Voßkuhle. Herzlich willkommen heiße ich auch den Präsidenten der Europäischen Kommission, Sie, sehr geehrter Herr Jean-Claude Juncker, und mit Ihnen den amtierenden Ratspräsidenten der Europäischen Union, den Ministerpräsidenten Luxemburgs, Herrn Xavier Bettel.

Ich grüße meine Kolleginnen und Kollegen Regierungschefs aus den deutschen Bundesländern, die Damen und Herren Präsidenten der Landtage und mit Ihnen die Damen und Herren Abgeordnete des Europaparlaments, des Deutschen Bundestages und der Parlamente der Länder. Ein besonderer Gruß gilt den Damen und Herren Mitgliedern der Bundesregierung, der Landesregierungen und den Repräsentanten der kommunalen Familie.

Stellvertretend darf ich den Oberbürgermeister der gastgebenden Stadt Frankfurt am Main, Herrn Feldmann, willkommen heißen. Ihm und allen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danke ich sehr herzlich dafür, dass wir dieses große Bürgerfest gemeinsam mit dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt am Main ausrichten und feiern können.

Ein besonderer Gruß gilt den Damen und Herren Exzellenzen aus dem In- und Ausland, den Mitgliedern des Diplomatischen und Konsularischen Corps, den Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, sozialen und kulturellen Verbänden, der Bundeswehr und den befreundeten Streitkräften sowie den Repräsentanten der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Ihnen, Herr Kirchenpräsident Dr. Jung und Ihnen, Herr Weihbischof Grothe, danke ich sehr herzlich für den Ökumenischen Gottesdienst im Kaiserdom, den wir eben miteinander feiern durften.

Aus allen 16 Ländern unseres Landes sind Bürgerdelegationen zu uns gekommen, die ich ebenso herzlich willkommen heiße. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben heute die große Freude, auch Persönlichkeiten willkommen zu heißen, die diese deutsche Wiedervereinigung zum Teil erst möglich machten und sie ganz wesentlich mitgestalteten.

Ich begrüße mit besonderer Freude den früheren Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Hans-Dietrich Genscher, den ehemaligen Kanzleramtsminister, Herrn Rudolf Seiters, den damaligen Innenminister, Herrn Dr. Wolfgang Schäuble, sowie den ersten und letzten freigewählten Ministerpräsidenten der ehemaligen DDR, Herrn Lothar de Maizière. Ihre Anwesenheit, meine Herren, ehrt uns in besonderer Weise und wir freuen uns, dass Sie an diesem Festakt teilnehmen.

Ein besonderer Gruß gilt auch dem Kanzler der Einheit, Herrn Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl. Helmut Kohl hatte zu diesem Festakt zugesagt, aber leider ist er aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, heute bei uns zu sein. Ich möchte ihm an dieser Stelle im Namen aller unseren Dank für seine historischen Leistungen und alle guten Wünsche zur Genesung übermitteln.

Ein besonderer Gruß gilt auch dem Wiedervereinigungsminister der Republik Korea, Seiner Exzellenz Herrn Minister Hong Yong-pyo. Wir freuen uns über Ihre Anwesenheit und wünschen Ihnen, dass es auch Ihnen in nicht allzu ferner Zukunft gelingt, dass beide Korea friedlich eine Wiedervereinigung feiern können.

Meine Damen und Herren, Sie sind willkommen geheißen worden unter anderem von Freya Klier. Sie sprach über die Freiheit. Es ist mir eine große Freude, nicht nur Freya Klier, sondern viele Bürgerrechtler aus der ehemaligen DDR hier heute herzlich willkommen zu heißen. Sie alle, meine Damen und Herren, haben nicht nur die Mauer zum Einsturz gebracht, sondern auch den Weg zu einem geeinten Deutschland geebnet. Auf Sie trifft zu, was der große griechische Staatsmann Perikles vor zweieinhalbtausend Jahren einmal so formulierte: Er bezeichnete die Freiheit als das Geheimnis des Glücks und den Mut als das Geheimnis der Freiheit. Ohne Ihren Mut wäre die Freiheit für ganz Deutschland nicht erkämpft worden. Deshalb ist dieser Tag vor allem auch Ihr Tag.

Der Sieg der Freiheit ist niemals selbstverständlich. Ihm gehen oft bittere Niederlagen voraus. Ich erinnere an den Prager Frühling, den Ungarn-Aufstand oder daran, wie wenige Monate vor dem Fall der Mauer in China der Wunsch nach Freiheit von Panzern niedergewalzt wurde.

Auch nach 25 Jahren bleibt es ein Wunder, dass diese Einheit ohne einen Schuss durch eine friedliche Revolution erreicht werden konnte. Ohne die Zustimmung unserer europäischen Nachbarn und der Verantwortlichen in Moskau und Washington ‒ namentlich Michail Gorbatschow und George Bush sen. ‒ wäre diese Einheit nicht möglich gewesen. Deshalb gebührt auch heute unser Dank unseren europäischen Nachbarn und den ehemaligen Alliierten. Sie haben den Weg zur Freiheit freigegeben.

Nur so konnte die erste freigewählte Regierung der DDR und die damalige Bundesregierung in einer historisch großartigen Leistung engagiert und beherzt die Einigung anstreben, vollziehen und nicht nur die Teilung beider deutschen Staaten, sondern auch die Teilung Europas überwinden.

Nach 25 Jahren dürfen wir mit Freude und Dankbarkeit feststellen, dass diese Wiedervereinigung alles in allem gelungen ist. Es gab damals keinen Masterplan, der wohl ausgearbeitet und vielfach geprüft, dann umzusetzen gewesen wäre. Es galt zu handeln, die Chancen zu ergreifen und die Schwierigkeiten zu überwinden. Dies ist uns gelungen, und Deutschland steht heute als starkes, wohlhabendes und in der Welt geachtetes Land da. Wir haben Grenzen überwunden, in den Köpfen und in des Wortes wahrster Bedeutung.

Wir freuen uns zu Recht heute über den Siegeszug der Freiheit in unserem Land und in Europa. Zur selben Zeit werden in anderen Teilen der Welt die Leidensgeschichten von Unterdrückung, Verfolgung und Krieg fortgeschrieben. Millionenfache Flucht und Vertreibung wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr müssen uns bedrücken und aufrütteln.

Viele dieser Flüchtlinge streben nach Europa und insbesondere nach Deutschland. Es ist eine Ausnahmesituation, die uns noch viele Jahre beschäftigen wird und die unser Land verändern wird. Eine Herausforderung, die uns ganz außergewöhnlich fordert, aber wenn wir es klug gestalten, nicht überfordert.

Genauso wie vor 25 Jahren kann es auch dieses Mal keinen Masterplan zur Bewältigung dieser Flüchtlingsströme geben. Aber unsere Erfahrung aus der Wiedervereinigung und den vergangenen 25 Jahren hat gezeigt, dass wir die Kraft haben, auch außergewöhnliche Herausforderungen erfolgreich zu gestalten. Damals musste gehandelt werden, angepackt werden und in der neuen Situation waren alle gefordert. Genauso ist es heute. Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger leisten ganz außerordentliches. Das, was tagtäglich durch die hauptberuflichen und vor allem die vielen ehrenamtlichen Kräfte zur Aufnahme der vielen Flüchtlinge geleistet wird, ist beispielhaft und verdient unser aller Dank und Anerkennung.

Die meisten Menschen, die zu uns gekommen sind, werden bleiben. Unsere Aufgabe ist es ‒gemeinsam mit diesen Flüchtlingen ‒ sie zu integrieren und aus Flüchtlingen Mitbürger werden zu lassen. Ich begrüße deshalb sehr herzlich eine Gruppe von Flüchtlingen, die in den letzten Wochen zu uns nach Deutschland gekommen ist, und die ich heute bewusst zu diesem Festakt eingeladen habe.

Meine Damen und Herren, das wiedervereinigte Deutschland ist ein tolerantes und weltoffenes Land. Ich begrüße Sie deshalb sehr herzlich hier in Deutschland. Lassen Sie uns auf dem klaren Fundament der Werte- und Verfassungsordnung Deutschlands gemeinsam die Zukunft bauen.

Meine Damen und Herren, der 3. Oktober 1990 zeigte, was möglich ist, wenn Freiheit sich Bahn bricht. Dieser Tag bleibt einer der glücklichsten Tage für unser Land. Wir freuen uns darauf, ihn gemeinsam mit Ihnen allen und Millionen Bürgern hier in Frankfurt am Main und in ganz Deutschland zum 25. Male feiern zu dürfen.

Seien Sie herzlich willkommen, hier bei uns ‒ in Hessen ‒ ein Land, das nicht nur die Brüder Grimm und Goethe, sondern vieles, vieles mehr zu bieten hat. Herzlichen Dank.

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