Die Bedeutung von Sprache und Mehrsprachigkeit für den schulischen Erfolg

Über die Bedeutung der Bildungssprache sowie der Mehrsprachigkeit für den schulischen und beruflichen Erfolg haben Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz, rumänische Botschafter Cosmin Boiangiu, Kabinettsmitglied des Bildungskommissars Szabolcs Horvath Martina Goßmann, Hessische Lehrkräfteakademie sowie Bildungsexperte Prof. Dr. Giulio Pagonis diskutiert.

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Die Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich, hatte gemeinsam mit dem Hessischen Kultusminister zum Thema „Die Bedeutung von Sprache und Mehrsprachigkeit für den schulischen Erfolg“ eingeladen.

Kultusminister Alexander Lorz will die Bildungssprache Deutsch in allen Unterrichtsfächern und Schulformen stärken. Es habe sich gezeigt, dass vor allem Kinder aus wirtschaftlich und sozial schwächeren Familien sprachliche Defizite aufweisen, die es zu überwinden gelte. Hessen sei zudem das Bundesland in Deutschland mit den meisten Kindern und Jugendlichen mit nicht deutschsprachigem Hintergrund. Das stelle das Land vor eine doppelte Herausforderung: „Wie kann man die jungen Menschen möglichst optimal an die Beherrschung der Bildungssprache in dem Land, in dem sie aufwachsen, heranführen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Heimatsprache dabei nicht aus dem Blickfeld gerät? Und das Ganze ohne die Heranwachsenden und Lehrkräfte zu überfordern?“ Denn die frühzeitige Stärkung bildungssprachlicher Kompetenzen, ein Niveau, das deutlich über der „Alltagssprache“ liegt, sei eine wichtige Voraussetzung für schulischen Erfolg, wie auch die Bildungsstudie PISA bestätigt.

Auch Prof. Dr. Giulio Pagonis, Professor am Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie an der Universität Heidelberg, erklärte in seinem Impulsvortrag über die Bedeutung der Bildungssprache für den schulischen Erfolg, dass selbst einfach erscheinende Texte oft „Stolpersteine“ enthalten, die den Lernerfolg maßgeblich verlangsamen. Zusammen mit der Hessischen Lehrkräfteakademie arbeitet er daher am Fortbildungskonzept „TEKOM 4+5“, das darauf abzielt, die bildungssprachlichen Textkompetenzen von Schülern speziell beim Übergang vom primären zum sekundären Bildungsbereich zu stärken. Das Projekt zeige bereits deutliche Erfolge und zeichne sich insbesondere durch seine Übertragbarkeit auf den Fremdsprachenunterricht aus.

In je mehr Sprachen man sich verständigen und Texte erschließen könne, desto leichter erhalte man Zugang zu mehreren Welten. Sprache sei der Schlüssel zur Teilhabe an unserer Gesellschaft, sowohl national wie auch auf europäischer Ebene, hob Lorz hervor. Als Präsident der Kultusministerkonferenz habe er deshalb die Sprachförderung ganz oben auf die Agenda gesetzt und stehe im Austausch mit den Mitgliedstaaten über Erfolgsvoraussetzungen für eine gelingende sprachliche Bildung und Sprachförderung.

Cosmin Boiangiu, Botschafter und stellvertretender Ständiger Vertreter Rumäniens bei der EU, pflichtete dem Hessischen Kultusminister bei. Er betonte, dass die Ratsempfehlung zum Fremdsprachenerwerb, die unter rumänischem Ratsvorsitz ausgehandelt und beim nächsten Bildungsministerrat angenommen werde, sowohl die Bedeutung der Bildungssprache als auch der Mehrsprachigkeit betone. Ziel der Ratsempfehlung sei es, dass junge Menschen mit Blick auf eine zunehmend komplexer werdende Welt künftig neben ihrer Muttersprache mindestens zwei weitere Sprachen beherrschen sollten.

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion unterstützte Szabolcs Horvath, Kabinettsmitglied des Kommissars für Bildung, Kultur, Jugend und Sport Tibor Nacracsics, diesen Standpunkt und erklärte, dass die Kenntnis weiterer Sprachen nicht nur den Horizont erweitere, sondern vor allem die Kommunikation und damit die Zusammenarbeit der einzelnen Mitgliedsstaaten innerhalb der EU verbessere. Martina Großmann von der Hessischen Lehrkräfteakademie erläuterte insbesondere die Praxiserfahrungen mit dem Fortbildungskonzept „TEKOM 4+“ und unterstrich, dass die Förderung der Bildungssprache eine gesamtschulische Aufgabe sei. Andreas Meyer Feist, Leiter der HR-Studios Brüssel, moderierte die Diskussion.

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