Hessens Livestream - Digital Leaders Roundtable - „Agriculture for Tomorrow“

EU-Entscheidungsträger und Akteure aus Hessen diskutierten am 22. März 2022 über die Digitalisierung der Prozesse der Landwirtschaft.

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Eingeladen hatten die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich, die Hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus, sowie der Branchenverband Bitkom e.V., Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche.

Hessens Europastaatssekretär Uwe Becker wies darauf hin, dass das Potential der Digitalisierung angesichts von über 16.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Hessen, die rund 40 Prozent der Landesfläche bewirtschaften, groß sei. Dabei gelte es zu berücksichtigen, dass die rechtlichen Grundlagen der Digitalisierung der Landwirtschaft auf europäischer Ebene definiert werden, beispielsweise hinsichtlich „Künstlicher Intelligenz“ oder der Nutzung von Daten. Hessens Umweltstaatssekretär Oliver Conz betonte, dass die Digitalisierung der Landwirtschaft zu Produktivitätsfortschritten, Resilienz, Klimaschutz und biologischer Vielfalt beitrage. Die Technologien würden auch weitere Chancen bieten, die Attraktivität von Berufen in der Landwirtschaft zu erhöhen.

Uwe Becker, Hessischer Europastaatssekretär
Uwe Becker, Hessischer Europastaatssekretär

Die hessische Digitalstrategie

Für die Digitalisierung der Prozesse in der Landwirtschaft sprach sich auch Staatsministerin Prof. Kristina Sinemus aus. Sie verwies auf die hessische Digitalstrategie, die mit allen Ressorts erarbeitet worden ist und auch die Landwirtschaft einbezieht. Im Rahmen der Förderrichtlinie zur Digitalisierung in der Landwirtschaft werde die Investitionsbereitschaft der hessischen Betriebe in modernste digitale Anwendungen unterstützt und der Grad der Digitalisierung der Betriebe weiter erhöht. Hierfür stehen aus Mitteln zur Umsetzung der Digitalen Strategie insgesamt fünf Millionen Euro bis zum Ende der Legislaturperiode zur Verfügung, so Sinemus. Entscheidend sei aber auch der Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum. Die Hessische Landesregierung investiere allein im Zeitraum bis 2024 mit insgesamt 270 Millionen Euro so viel Geld wie noch nie zuvor in den Breitbandausbau.

Prof. Dr. Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung
Prof. Dr. Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung

Meinungsaustausch für mehr Digitalisierung der Landwirtschaft

Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsleitung Bitkom e.V., forderte eine dauerhafte Unterstützung bei der Implementierung für die Landwirtinnen und Landwirte. Sie seien innovativ – über die Hälfte der deutschen Landwirte nutzten bereits GPS-gesteuerte Landmaschinen. Das sogenannte „Smart Farming“ biete eine große Bandbreite an digitalen Lösungen, die auch für kleine Betriebe nutzbar sind, zum Beispiel Software. Für die Europäische Kommission sprach Jorge Pinto Antunes, Mitglied des Kabinetts von Janusz Wojciechowski, Kommissar für Landwirtschaft. Er wies auf die großen Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten hin, denn nur wenige verfügten über nationale Strategien zur Digitalisierung der Landwirtschaft. Derzeit arbeite die Kommission an der Schaffung eines gemeinsamen europäischen Datenraumes für die Landwirtschaft. Der Europaabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments, Norbert Lins, sprach sich für mehr Digitalisierung in der Landwirtschaft aus, um neue Strategien, wie „Farm to Fork“ und Biodiversität, umsetzen zu können. Er sieht beispielsweise eine große Chance bei den Pflanzenschutzmitteln und der Präzisionslandwirtschaft oder bei neuen Züchtungstechnologien. Auch wenn es nicht einfach würde, Digitalisierung für jeden Hof zugänglich zu machen, so überwiegten aus seiner Sicht doch die Vorteile. Für eine offene Kommunikation und klare Aufgabenteilung zwischen Wirtschaft, Staat, Wissenschaft und Verbänden sprach sich Jörg Migende, Leiter Digital Farming, BayWa AG, aus. Es fehle die Diskussion, ob eine „Digital Farming“- Industrie in Europa entstehen könne. Wichtig sei, dass privatwirtschaftliches Interesse entstehen könne. Europa sollte nicht die USA kopieren, sondern gemeinsam innovativ vorgehen. Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, betonte, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Digitalisierung in der Landwirtschaft seien eine flächendeckende Verfügbarkeit von schnellem Internet, die störungsfreie Funktionsfähigkeit unter Praxisbedingungen und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit. Einig waren sich alle Redner, dass der Krieg in der Ukraine, die als Kornkammer Europas gilt, die Bedeutung der Nahrungsmittelsicherheit und der Rolle der Landwirtschaft derzeit in besonderer Weise verdeutlicht.

Sabrina Caroli, Bereichsleiterin europäische Digitalpolitik, Bitkom e.V., hat die Podiumsdiskussion moderiert.

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