Arbeiten von Werner Graeff zwischen dem Foyer und dem Kabinettsaal der Staatskanzlei

Der Bauhauskünstler Werner Graeff – De ’Stijl und Informel

Die Auswahl an Arbeiten von Graeff im Flur zum Kabinettsaal veranschaulicht seine künstlerische Anschlusssuche nach den Kriegsjahren. Sowohl gestische Abstraktionen, die als kurze Versuche im Bereich des damals verbreiteten Informel eingeordnet werden können, als auch seine Rückbesinnung auf die einfache, den Grundfarben verpflichtete Farbskala des De-Stijl. Deren Symmetrie und Harmonie kehren immer wieder in seinen Bildaufbau zurück, auch später, als er zu einer eigenen Formensprache findet. Und dazu gehört auch eine Phase, in den 1960ern, in denen er wie Mondrian und viele andere bewusst die Symmetrie zu vermeiden suchte.

Vor der Werkreihe hier im Flur noch eine Anmerkung zu den ungewöhnlichen Bildtiteln. Graeff hatte sich früh gegen eine Nummerierung entschieden, ebenso gegen Bildtitel im klassischen Sinne. Er wählte Abkürzungen für Farb- oder Formkombinationen sowie Verschlüsselungen für den jeweiligen Entstehungsort oder bei seinen Skulpturen für den Platz, für den sie gedacht waren.

Vita

Werner Graeff (1901 – 1978)

Werner Graeff, 1901 in Wuppertal geboren, war Student am Weimarer Bauhaus und jüngstes Mitglieds der De-Stijl-Bewegung um Theo van Doesburg, Mitarbeiter des Deutschen Werkbundes und in vielen Bereichen künstlerisch-gestaltend wie auch lehrend tätig.

1921-22
Schüler von Johannes Itten und Oskar Schlemmer am Bauhaus in Weimar. Gleichzeitig im Kursus von Theo van Doesburg. Erste abstrakte Arbeiten und erste Veröffentlichung in der Zeitschrift „De Stijl“ (Manifest „Für das Neue“). Bekanntschaft mit Mies van der Rohe und Hans Richter, woraus eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft erwächst.

1934 – 1950
Exiljahre in Spanien und in der Schweiz. Im Tessin übernimmt Werner Graeff von 1940-45 die Leitung der Fotoschule Locarno.

1951
Rückkehr nach Deutschland. Werner Graeff beginnt sein „zweites Künstlerleben“ und widmet sich wieder der freien Malerei, Plastik und Grafik. Ausstellung der De-Stijl-Gruppe im Stedelijk Museum Amsterdam.

1951-59
Lehrer für freie und angewandte Fotografie an der Folkwang Schule in Essen.

1960
Beginn der freischaffenden Tätigkeit in Essen, später in Mülheim an der Ruhr.

1978
Werner Graeff verstirbt überraschend bei einem Aufenthalt in Blacksburg, Virginia