(*1901 Wuppertal, †1978 Blacksburg, Virginia)
Graeffs Schaffen steht exemplarisch für zahlreiche deutsche Künstler, die ihre Ausbildung vor dem 2. Weltkrieg erhielten, dann unterbrechen und häufig ins Exil gehen mussten und sich anschließend, nach 1945, mit einer schwierigen Anschlusssuche konfrontiert sahen. Graeff sprach diesbezüglich immer von seinem „Hürdenlauf durch das 20. Jahrhundert“, und dies trifft es sehr gut.
Nach einem hoffnungsvollen Start als Student am Weimarer Bauhaus bei Johannes Itten und Oskar Schlemmer, fasziniert vom De Stijl, von Theo van Doesburg, Mies van der Rohe und anderen Wegbereitern der Moderne, zwangen die politischen Umstände 1934 ihn und seine junge Familie, vor der „Hitlerei“ (wie er es auszudrücken pflegte) zunächst nach Spanien, später ins Schweizer Exil zu flüchten.
Sein immenser Gestaltungswille, ob als Maler, Grafiker, Fotograf, Autor, Lehrer oder Erfinder, aber auch seine Gabe, mit Ironie auf sich selbst und mit Humor auf sein Umfeld zu blicken, dürften ihn durch diese schweren Jahre getragen haben.
Erst nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1951, begann für Graeff die Anschlusssuche an die europäische Gegenwartskunst. Mit Unterstützung seines väterlichen Freundes Willi Baumeister fand er zurück zur freien Kunst und einem eigenen Stil, der seinen Anspruch auf ein „harmonisches Ganzes“ zum Ausdruck brachte: Besonders eindrücklich umgesetzt auf dieser großformatigen zweiteiligen Leinwand „MAKROBING“ (1974), mit gleichgestellten Figuren, die im Kern ihres Wesens miteinander verbunden sind.
Vita
- Werner Graeff war Student am Weimarer Bauhaus und jüngstes Mitglied der De-Stijl-Bewegung um Theo van Doesburg, Mitarbeiter des Deutschen Werkbundes und in vielen Bereichen künstlerisch-gestaltend wie auch lehrend tätig.
- 1921-22 war er Student von Johannes Itten und Oskar Schlemmer am Bauhaus in Weimar und besuchte Kurse bei Theo van Doesburg. Erste abstrakte Arbeiten und Veröffentlichung in der Zeitschrift „De Stijl“ (Manifest „Für das Neue“).
- Graeff machte Bekanntschaft mit Mies van der Rohe und Hans Richter, woraus eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft entstand.
- Die Jahre 1934–1950 verbrachte er im Exil in Spanien und in der Schweiz. Im Tessin übernahm Werner Graeff von 1940–45 die Leitung der Fotoschule Locarno.
- Erst 1951 kehrte Graeff zurück nach Deutschland. Er begann sein „zweites Künstlerleben“ und widmete sich wieder der freien Malerei, Plastik und Grafik.
- Bis 1959 hatte er einen Lehrauftrag für freie und angewandte Fotografie an der Folkwang Schule in Essen inne. Danach lag der Schwerpunkt auf seiner freischaffenden Tätigkeit.
- 1978 verstarb Werner Graeff überraschend bei einem Aufenthalt in Blacksburg, Virginia.