Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung/KI für die Freien Berufe

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) stellen auch die Freien Berufe vor große Herausforderungen. Zu diesem Thema hatten die Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich, und der Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe, Friedemann Schmidt, in die Hessische Landesvertretung in Brüssel eingeladen.

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Chancen und Herausforderungen für die Freien Berufe

Europastaatssekretär Mark Weinmeister betonte in seinem Grußwort, dass eine leistungsfähige digitale Infrastruktur in der Fläche und ein regulatorischer Rahmen auf EU-Ebene geschaffen werden müsse. Hessen habe 266 Millionen Euro im Landeshaushalt von 2020 bis 2024 zur Förderung des Glasfaserausbaus bereitgestellt. Mit der überarbeiteten hessischen Digitalstrategie sei Hessen auf dem richtigen Weg, unterstrich Weinmeister. Mit KI würden auch in Hessen zusätzliche Chancen genutzt. Für die Nutzung dieser Chancen sei neben dem rechtlichen EU-Rahmen die Klärung von Ethikfragen von zentraler Bedeutung. Dr. Ulla Engelmann, amtierende Direktorin Netzwerke & Governance in der Generaldirektion für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU der EU-Kommission stellte die Vorteile der Digitalisierung freiberuflicher Dienstleistungen, wie Kostensenkung, schnellere Bereitstellung von Dienstleistungen und Verbesserung der Qualität, in den Vordergrund. Allerdings seien die Haupthindernisse noch immer die damit verbundenen Kosten und der Mangel an qualifiziertem Personal. Hinsichtlich KI brauche es einen auf den Menschen ausgerichteten Ansatz für vertrauenswürdige KI.

Die Abteilungsleiterin für Mittelstandspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Dr. Sabine Hepperle, berichtete, dass das BMWi eine eigene Stabsstelle als Anlaufstelle zu Fragen zu KI eingerichtet hat und nannte aktuelle Bundesprogramme zu KI, wie „Zukunftszentren KI“. Außerdem setzte sie sich für einen bürokratiearmen und innovationsfreundlichen Rechtsrahmen ein.

Gesprächsrunde mit Dr. Karin Hahne, der Europaabgeordneten Marion Walsmann und Dr. Ulla Engelmann

Aus Sicht der Präsidentin des Verbandes Freier Berufe in Hessen, Dr. Karin Hahne, ist die Unterscheidung zwischen Digitalisierung und KI wichtig. Beide könnten nur unterstützend tätig sein und dürften niemals eine freiberufliche Tätigkeit ersetzen. In Bezug auf den Rechtsrahmen für KI forderte sie Verbesserungen bei der Schaffung globaler Standards, die Ausweitung der hochrisikobehafteten Bereiche und die Berücksichtigung des Haftungsbereichs. Die Europaabgeordnete Marion Walsmann stellte bei den Vorschlägen für den Rechtsrahmen von KI ein hohes sensibles und ethisches Vorgehen in den Vordergrund. Wichtig sei neben einer funktionierenden Infrastruktur unter anderem die Verhinderung von Überbürokratisierung. Engelmann hob in der Diskussion hervor, dass die EU-Kommission bei der Erarbeitung der Vorschläge auch Negativbeispiele von KI in anderen Staaten, wie das „Social Scoring“, in ihre Überlegungen einbezogen hat.

Fazit des Präsidenten des BfB, Friedemann Schmidt

Friedemann Schmitt betonte in seinem Schlusswort, dass die Qualität der Daten und deren Sicherheit ebenso wie rechtlich geschützte Berufsgeheimnisse sicherzustellen sind. KI-Leistungen sollten am Interesse der Empfänger, haftungsrechtlich nach gleichen Maßstäben ausgerichtet sowie die zugrundeliegenden Algorithmen verpflichtend transparent und nachvollziehbar sein. Der menschliche Faktor sei zentral für das Vertrauen und damit auch die Akzeptanz.

Silke Wettach, EU-Korrespondentin für die WirtschaftsWoche, hat die Veranstaltung moderiert.

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